Equal Pay Day in Tirol 2026

31. Oktober 2026

Gleiche Chancen, faire Einkommen und wirtschaftliche Unabhängigkeit für Frauen

Am 26. Oktober 2026 war Equal Pay Day in Tirol. Ab diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen bis zum Jahresende unbezahlt. Laut Österreichischem Gewerkschaftsbund (ÖGB) verdienen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen in Tirol durchschnittlich 18,1 Prozent weniger als Männer - das entspricht 11.819 Euro brutto pro Jahr. Einkommensgerechtigkeit beginnt nicht erst bei der Bezahlung. Sie setzt gleiche Chancen auf berufliche Entwicklung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und gesellschaftliche Teilhabe voraus. Soziale Unternehmen in Tirol leisten dazu einen wichtigen Beitrag.


67 Tage unbezahlte Arbeit – Tirol hat Aufholbedarf

Die aktuellen Zahlen des ÖGB Tirol, publiziert in einem ORF Tirol Beitrag,  verdeutlichen die anhaltenden Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern. Besonders groß ist die Lücke im Bezirk Schwaz mit 21,8 Prozent, gefolgt von Imst mit 21,5 Prozent und Reutte mit 21,4 Prozent. In Innsbruck beträgt der Unterschied 10,5 Prozent.


Dabei werden für den Equal Pay Day ausschließlich die Einkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Personen verglichen. Die tatsächlichen Einkommensunterschiede fallen noch größer aus, wenn Teilzeitbeschäftigung und Erwerbsunterbrechungen berücksichtigt werden.

Die geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied verweist auf die strukturellen Ursachen der Lohnlücke und fordert eine bessere finanzielle Anerkennung gesellschaftlich unverzichtbarer, häufig von Frauen geleisteter Arbeit.


Teilzeit und unbezahlte Sorgearbeit verstärken Ungleichheit

Auch die Arbeiterkammer Tirol macht auf strukturelle Benachteiligungen aufmerksam. Eine am 22. Oktober 2026 veröffentlichte Euregio-Studie zur Arbeitszeitqualität zeigt: Die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Tirol arbeitet nicht in Vollzeit. Jede vierte Tirolerin ist höchstens 20 Stunden pro Woche erwerbstätig. Besonders bemerkenswert: Mehr als jede vierte Teilzeitkraft in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino möchte ihre Arbeitszeit aufstocken. Teilzeit ist somit keineswegs immer eine freiwillige Entscheidung.


Unzureichende Betreuungsmöglichkeiten, die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit und traditionelle Rollenbilder schränken die Erwerbsmöglichkeiten von Frauen weiterhin ein. Die Folgen reichen von geringeren laufenden Einkommen über eingeschränkte Karrierechancen bis hin zu niedrigeren Pensionen und einem erhöhten Armutsrisiko. Die AK Tirol engagiert sich deshalb auch in der Allianz für Lohntransparenz NEU und fordert eine wirksame Umsetzung der europäischen Lohntransparenzrichtlinie.


Soziale Unternehmen begleiten Frauen auf dem Weg zur Gleichstellung

Gleichstellung am Arbeitsmarkt beginnt nicht erst bei der Gehaltsabrechnung. Sie setzt voraus, dass Frauen unabhängig von Alter, Herkunft, Ausbildung oder persönlichen Lebensumständen Zugang zu existenzsichernder Beschäftigung erhalten.


Soziale Unternehmen in Tirol leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie begleiten Frauen, die mit unterschiedlichen Hürden am Arbeitsmarkt konfrontiert sind, durch individuelle Beratung, Qualifizierung, geförderte Beschäftigung und sozialpädagogische Unterstützung.


Gerade nach längeren Erwerbsunterbrechungen, bei fehlenden Qualifikationen oder schwierigen persönlichen Rahmenbedingungen können diese Angebote entscheidende Perspektiven eröffnen. Soziale Unternehmen stärken vorhandene Kompetenzen, fördern berufliche Neuorientierung und unterstützen Frauen dabei, ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit zu entwickeln. Dabei geht es um mehr als den Wiedereinstieg in Beschäftigung: Es geht um Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und langfristige berufliche Perspektiven.


Gleichstellung braucht strukturelle Veränderungen

Der ÖGB Tirol fordert mehr Lohntransparenz, verpflichtende Einkommensberichte auch für kleinere Unternehmen, familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle und den Ausbau von Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen. Auch die stärkere Beteiligung von Frauen in Führungspositionen und Entscheidungsgremien ist ein wesentlicher Schritt.


arbeit plus Tirol unterstützt das Ziel eines Arbeitsmarktes, der allen Menschen faire Chancen eröffnet. Dafür braucht es eine verlässliche Aktive Arbeitsmarktpolitik, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt und individuelle Unterstützungsangebote langfristig absichert.


"Gleichstellung bedeutet auch, Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre berufliche und wirtschaftliche Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Soziale Unternehmen unterstützen sie dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und Hürden am Arbeitsmarkt zu überwinden. Doch individuelle Förderung allein reicht nicht: Es braucht Rahmenbedingungen, die Frauen echte Wahlfreiheit, faire Einkommen und nachhaltige Beschäftigung ermöglichen", so Melanie Spangler, Geschäftsführerin von arbeit plus - Soziale Unternehmen Tirol.


Der Equal Pay Day macht deutlich: Solange Frauen für ihre Arbeit weniger verdienen und strukturelle Benachteiligungen ihre Erwerbschancen einschränken, bleibt Gleichstellung eine zentrale gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Aufgabe.


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