Standing Ovation bei Schindel und Holz
Mehr Bewegungsfreiheit und weniger körperliche Belastung
Seit September 2026 ist bei unserem Mitgliedsbetrieb Schindel und Holz die innovative Steh- und Bewegungshilfe "Standing Ovation" im Einsatz. Das System unterstützt Mitarbeiter:innen bei Tätigkeiten, die üblicherweise im Stehen ausgeführt werden, entlastet Beine und Gelenke und ermöglicht gleichzeitig Bewegungen entlang des Arbeitsplatzes.
Die Besonderheit: Beschäftigte können je nach Tätigkeit und individuellen Bedürfnissen zwischen einer aufrechten und einer abgestützten Arbeitsposition wechseln. Dabei bleiben beide Hände frei, sodass Arbeitsabläufe weitgehend uneingeschränkt durchgeführt werden können.
Die neue Anlage umfasst rund 30 Quadratmeter und ist derzeit für zwei Arbeitsplätze ausgelegt. Eine Erweiterung auf vier Arbeitsplätze ist möglich. Die Investition wurde gemeinsam mit dem AMS Tirol finanziert. Damit setzt Schindel und Holz ein konkretes Zeichen für gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen und einen Arbeitsmarkt, der unterschiedliche körperliche Voraussetzungen berücksichtigt.
Standing Ovation: Eine Erfindung aus eigener Erfahrung
Hinter der Steh- und Bewegungshilfe steht eine persönliche Geschichte. Der Salzburger Gastronom Peter Lammer konnte nach einem schweren Motorradunfall seinen Beruf als Koch aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr wie gewohnt ausüben. Gemeinsam mit Bernhard Tichy entwickelte er deshalb eine technische Lösung, die ihm die Rückkehr an seinen Arbeitsplatz ermöglichte.
Aus dieser Idee entstand "Standing Ovation" – ein innovatives Assistenzsystem, das mittlerweile in unterschiedlichen Arbeitsbereichen, Sozialen Unternehmen und Rehabilitationseinrichtungen eingesetzt wird. Das System besteht aus einem Schienensystem, einem beweglichen Bügel und einer höhenverstellbaren Sitzeinheit. Ein Teil oder, je nach Einstellung, ein Großteil des Körpergewichts wird über die Sitzkonstruktion aufgenommen. Dadurch werden die unteren Extremitäten entlastet, während sich die Nutzer:innen innerhalb des Arbeitsbereichs weiterhin bewegen können. Anders als bei herkömmlichen Sitzgelegenheiten bleibt die Mobilität am Arbeitsplatz erhalten. Die Beschäftigten können ihre Position verändern, Arbeitsmaterialien erreichen und Tätigkeiten ausführen, ohne dauerhaft das gesamte Körpergewicht auf den Beinen tragen zu müssen.
Gesundheitsschutz und Prävention im Arbeitsalltag
Langes Stehen stellt für viele Arbeitnehmer:innen eine erhebliche körperliche Belastung dar. Besonders betroffen sind Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparats, chronischen Erkrankungen oder eingeschränkter Belastbarkeit.
Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) weist darauf hin, dass dauerhaftes Stehen Muskel-Skelett-Erkrankungen begünstigen kann. Zu den empfohlenen Präventionsmaßnahmen zählen regelmäßige Bewegung, ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze sowie der Wechsel zwischen stehenden und sitzenden Tätigkeiten.
"Standing Ovation" verbindet diese Ansätze: Die Konstruktion ermöglicht körperliche Entlastung, ohne die notwendige Beweglichkeit bei der Arbeit wesentlich einzuschränken. Das System kann sowohl für Menschen mit bereits bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen als auch präventiv eingesetzt werden. Es eröffnet damit zusätzliche Möglichkeiten, Arbeitsplätze an individuelle Bedürfnisse anzupassen und körperliche Überlastungen zu reduzieren.
Inklusion beginnt bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes
Für arbeit plus Tirol ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie technische Innovation und soziale Verantwortung zusammenwirken können.
Menschen, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht über längere Zeit stehen können, stoßen am Arbeitsmarkt häufig auf erhebliche Hürden. Dabei sind ihre beruflichen Kompetenzen, ihre Erfahrung und ihre Motivation vielfach uneingeschränkt vorhanden.
Entscheidend ist daher nicht allein die Frage, welche Anforderungen ein Arbeitsplatz an Menschen stellt, sondern auch, wie Arbeitsbedingungen an unterschiedliche Fähigkeiten angepasst werden können.
Genau hier setzt die Steh- und Bewegungshilfe bei Schindel und Holz an: Sie kann Tätigkeiten zugänglich machen, die ohne technische Unterstützung nur eingeschränkt oder gar nicht möglich wären. Soziale Unternehmen leisten in diesem Zusammenhang einen wichtigen Beitrag. Sie verbinden Beschäftigung, individuelle Begleitung und Qualifizierung mit der praktischen Erprobung inklusiver Arbeitsbedingungen. Damit schaffen sie Perspektiven für Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind.
Ein Modell mit Potenzial für weitere Betriebe
Dass sich "Standing Ovation" auch in Sozialen Unternehmen bewährt, zeigen Erfahrungen aus anderen Bundesländern. So wurde das System unter anderem im Salzburger Sozialökonomischen Betrieb frauenanderskompetent, im Bistro Bauchladen, sowie in der Böhmerwaldwerkstatt in Oberösterreich installiert.
Auch dort steht die Verbindung von körperlicher Entlastung, eigenständiger Arbeitsausführung und beruflicher Teilhabe im Mittelpunkt. Die Erfahrungen verdeutlichen, welches Potenzial individuell angepasste Arbeitsplätze für die berufliche Integration und den Erhalt von Beschäftigungsfähigkeit haben.
Mit der Installation bei Schindel und Holz wird dieser Ansatz nun auch in Osttirol sichtbar. Die Investition zeigt, dass Barrierefreiheit und Gesundheitsförderung nicht nur abstrakte Ziele sind, sondern durch konkrete Maßnahmen im betrieblichen Alltag umgesetzt werden können.
Soziale Unternehmen als Wegbereiter inklusiver Arbeitswelten
Die Arbeitswelt steht vor der Herausforderung, Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit unterschiedlichen gesundheitlichen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Lebenssituationen zu schaffen. Dazu braucht es neben Qualifizierung und individueller Unterstützung auch die Bereitschaft, bestehende Arbeitsabläufe und Arbeitsplätze neu zu denken.
Das Beispiel Schindel und Holz zeigt: Nicht immer müssen sich Menschen an starre Arbeitsbedingungen anpassen. Oft können technische Innovationen dazu beitragen, dass sich Arbeitsplätze besser an den Menschen orientieren.
Für arbeit plus Tirol ist die Investition in "Standing Ovation" deshalb weit mehr als eine ergonomische Verbesserung. Sie ist ein Beispiel für gelebte Inklusion, für die Wertschätzung unterschiedlicher Fähigkeiten und für die wichtige Rolle Sozialer Unternehmen bei der Entwicklung einer gesundheitsfördernden und zugänglichen Arbeitswelt - und somit ein Meilenstein am Weg zu #gutearbeitfüralle!
"Nachhaltige Arbeitsmarktintegration bedeutet auch, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Menschen ihre Potenziale entfalten und langfristig am Arbeitsleben teilhaben können", so Melanie Spangler, Geschäftsführerin von arbeit plus Tirol.
Weiterführende Informationen
- Standing Ovation Website
- Osttiroler Bote, 26. Oktober 2026: Innovative Hilfe für den Arbeitsalltag
- AUVA: Steharbeitsplätze im Fokus
Foto © Schindel und Holz


